Standorte & Transportnetz
Die Europa‑Karte zeigt, dass sich MFO‑Systeme gezielt in Starkwind‑Tiefwasserclustern positionieren lassen, in denen hohe und stabile Offshore‑Windgeschwindigkeiten auf geeignete Wassertiefen treffen.
Dadurch entstehen nahezu unbegrenzt skalierbare Standorte, die zugleich über kurze Transportwege an Küstenhäfen, Binnenwasserstraßen und das entstehende europäische Wasserstoff‑Backbone angebunden werden können.
Dies ein entscheidender Vorteil gegenüber klassischen Offshore‑Windparks ohne integrierte Speicher‑ und H₂‑Infrastruktur.

Nordeuropa/Mitteleuropa
Cluster 1 – Nordsee/Norwegen‑Tiefwasser
Position: Westlich Norwegens, nördlich der Nordsee, im Übergang zum Norwegischen Meer.
Funktion: Großes Offshore‑Tiefwasser‑Cluster mit Anbindung an Skagerrak, deutsche und niederländische Küste.
- Zu norwegischer Westküste (Stavanger/Bergen): ca. 100–200 km.
- Zu Großraum Hamburg / Norddeutscher Chemie‑ und Stahlregion: ca. 600–800 km.
Cluster 2 – Nordsee/UK–Benelux
Position: Mittlere Nordsee zwischen Ostküste UK und Niederlande/Deutschland.
Funktion: Offshore‑Wind‑Schwerpunkt mit guter Anbindung an Benelux‑ und NRW‑H₂‑Backbone.
- Zu Rotterdam–Antwerpen–Rhein‑Ruhr‑Cluster (RA‑RU): ca. 150–300 km.
- Zum Ruhrgebiet (NRW‑Schwerindustrieregion): ca. 250–400 km
Cluster 3 – Skagerrak/Kattegat
Position: Zwischen Südnorwegen, Westschweden und Norddänemark (Skagen).
Funktion: Verbindungspunkt Nordsee–Ostsee, Zugang zu skandinavischen Netzen und Tiefwasser nördlich.
- Zu Region Oslo–Göteborg: ca. 150–250 km.
- Zu Hamburger/Schleswig‑Holstein‑Industrieachse: ca. 500–700 km
Atlantik / Iberien
Cluster 4 – Golf von Biskaya
Position: Vor der Bucht zwischen Westfrankreich und Nordspanien, leicht offshore.
Funktion: Tiefseegebiet plus Zugang zu Häfen wie Bilbao, Bordeaux, möglichen H₂‑Exportkorridoren auf der Iberischen Halbinsel.
- Zu Baskenland/Bilbao‑Industriecluster: ca. 50–150 km.
- Zu Großraum Bordeaux / Südwestfrankreich: ca. 150–300 km.
Cluster 5 – Iberische Atlantikküste
Position: Vor der portugiesisch‑spanischen Atlantikküste, etwa auf Höhe Lissabon/Porto.
Funktion: Kopplung zu starken Solar‑/Wind‑Potenzialen der Iberischen Halbinsel und Export nach Zentraleuropa.
- Zu Lissabon–Sines‑Industrie‑ und Hafenregion: ca. 100–250 km.
- Zu Madrid‑Ballungsraum (als Fernabnehmer): ca. 400–600 km.
Westliches/zentraleres Mittelmeer
Cluster 6 – Alboran/Westliches Mittelmeer
Position: Zwischen Südspanien, Gibraltar und Nordmarokko im Alboran‑Meer.
Funktion: Schnittstelle Atlantik–Mittelmeer; Option für Nordafrika‑Importe und Verbindung Richtung Frankreich/Italien.
- Zu andalusischem Industrie‑Bogen (Algeciras–Cádiz–Huelva–Sevilla): ca. 100–300 km.
- Zu Nordmarokko/Tanger‑Industrie‑ und Hafenregion: ca. 100–250 km
Cluster 7 – Tyrrhenisches Meer
Position: Westlich Italiens, grob zwischen Korsika/Sardinien und dem italienischen Festland.
Funktion: Tiefwasser mit Nähe zu italienischem Netz, Option für zentrale Mittelmeer‑Infrastruktur.
- Zum Großraum Rom/Latium: ca. 150–300 km.
- Zum norditalienischen Industrie‑Gürtel (Genua–Mailand–Po‑Ebene): ca. 500–800 km.
Östliches Mittelmeer
Cluster 8 – Ionisches Meer
Position: Zwischen Süditalien (Absatz des „Stiefels“) und Westgriechenland, etwas südlich der Otranto‑Straße.
Funktion: Anbindung Balkan/Italien, Übergang zu östlichen
- Zu Süditalien (Apulien/Brindisi–Tarent): ca. 150–300 km.
- Zu Westgriechenland/Patras–Athen‑Region: ca. 300–600 km.
Cluster 9 – Ägäis
Position: Zwischen griechischem Festland und Westtürkei, im zentralen Inselbereich.
Funktion: Offshore‑Wind‑Potenzial, Verbindung Griechenland–Türkei
- Zum Großraum Athen/Piräus: ca. 150–300 km.
- Zur westtürkischen Industrieachse Izmir–Bursa–Istanbul: ca. 300–700 km.
Cluster 10 – Östliches Mittelmeer/Levantinisches Meer
Position: Südlich von Zypern, Richtung Levante‑Küste.
Funktion: Langfristige Option für H₂‑Erzeugung nahe .
- Zu Zypern (Nikosia/Limassol‑Region): ca. 100–250 km.
- Zu östlichem Mittelmeer‑Energie‑ und Industrie‑Bogen (Israelische Küste, ägyptische Mittelmeerküste): ca. 400–900 km.
Beispielhafte Cluster für MFO-L Systeme
Windstabilität (zeitliche Konstanz und typische Vollaststunden).
Atlantik vor UK & Nordsee/Ostsee
Studien zur Nordsee zeigen Offshore‑Kapazitätsfaktoren um 40–50 % mit typischen Vollaststunden von 3.500–4.500 h/a, also relativ stabile, häufig starke Winde mit gut verteilten Winter‑Schwerpunkten.
Langfristige Analysen finden zwar mehrjährige Schwankungen von etwa ±10 % im Ertrag, aber insgesamt ein sehr robustes Windprofil; Nordsee und portugiesischer Atlantik zeigen ähnliche Dekaden‑Muster, allerdings mit unterschiedlicher Phasenlage.
Golf von Biskaya / Portugiesischer Atlantik
Vor der portugiesischen Atlantikküste und im Biskaya‑Raum werden ebenfalls hohe Kapazitätsfaktoren erreicht, typischerweise 35–45 %, mit etwas stärker ausgeprägter saisonaler Variabilität als in der zentralen Nordsee.
Multi‑dekadische Schwankungen sind hier teilweise sogar stärker als in der deutschen Nordsee, bleiben aber im Bereich ±10 % um den Mittelwert.
Mittelmeerraum
Im Mittelmeer liegen typische Offshore‑Kapazitätsfaktoren eher bei 25–35 %, die Winde sind stärker saisonal und episodisch geprägt, was die zeitliche Stabilität verringert.
Hier muss mit deutlich geringeren Vollaststunden und höherer internaler Variabilität gerechnet werden muss, weswegen auf die MFO-Speichersysteme eine höhere Aufmerksamkeit gelegt werden muss..
Deutschland an Land
Onshore‑Wind in Deutschland erreicht im Mittel nur etwa 18–25 % Kapazitätsfaktor, mit 1.600–2.200 Vollaststunden pro Jahr und damit ist die Produktion deutlich volatiler und weniger „grundlastnah“ als Offshore in der Nordsee oder Atlantik.
Hinzu kommt eine stärkere Korrelation von Flauten über größere Flächen, sodass bei Dunkelflauten die Einspeisung aus Onshore‑Wind über Tage weitgehend einbrechen kann.
Schlusskommentar
Die Kombination aus nahezu unbegrenzt verfügbaren Tiefwasser-Standorten, Europas besten Offshore-Windverhältnissen und direkten Transportwegen zu großen Industrieclustern macht MFO-H₂-Systeme zu einer skalierbaren, wirtschaftlichen Lösung für die europäische Wasserstoffinfrastruktur.
Durch die integrierte MFO-Speicherlösung wird eine hohe Auslastung der Elektrolyseure, auch bei schwankender Windverfügbarkeit sichergestellt, ohne Flächenkonkurrenz an Land, mit höchster Versorgungssicherheit und zu attraktiven Wasserstoffpreisen.
Kartenbasis: EMODnet Bathymetry — © European Union, lizenziert unter CC BY 4.0
Legende zur Karte:
🔷 Grüne/Blaue Flächen – Tiefengewässer >250 m (geeignet für MFO‑Systeme)
🔶 Farbige Linien (Gelb, Orange, Rot, Blau) – Europäische Binnenwasserstraßen und Hauptschifffahrtsrouten
➡️ Blaue Pfeile – Offshore‑Windverhältnisse - Dicke Pfeile = Starkwindgebiete (sehr gute, stabile Windgeschwindigkeiten)
Dünne Pfeile = Mäßige Windverhältnisse
🔵 Marker (kleine Symbole) – Beispielhafte MFO-Cluster-Standorte mit optimaler Kombination aus Tiefwasser, Windpotenzial und kurzen Transportwegen zu großen Abnehmern.
